Seite

1991 KTM 600 ER

1991 KTM 600

Die 1991 KTM 600 war eines dieser Projekte, bei denen Leidenschaft, Hartnäckigkeit und eine gewisse Portion Wahnsinn ziemlich nahe beieinanderliegen.

Ich hatte die Maschine irgendwann um 2019 auf Ricardo ersteigert — nicht gerade günstig, aber genau mit diesem Reiz, den alte Motorräder manchmal haben: roh, mechanisch, ehrlich und mit genügend Patina, um sofort Geschichten im Kopf entstehen zu lassen.

Nach dem Kauf wurde die KTM komplett zerlegt. Aus einem Motorrad wurde zuerst eine Sammlung von Teilen, Schrauben, offenen Fragen und langen Abenden. Danach begann der eigentliche Aufbau. Stück für Stück, Baugruppe für Baugruppe, mit viel Geduld und noch mehr Recherche.

Unzählige Nächte verbrachte ich damit, im Internet nach passenden Ersatzteilen, technischen Informationen, Explosionszeichnungen und Erfahrungsberichten zu suchen. Bei einem älteren Motorrad ist nicht alles einfach verfügbar. Manches findet man sofort, anderes erst nach langem Suchen — und manches nur mit Glück.

Den grössten Teil des Wiederaufbaus habe ich selbst gemacht. Dort, wo es um sicherheitsrelevante Arbeiten ging, war für mich aber klar: Das gehört in die Hände eines Fachmanns. Bremsen, Fahrwerk, technische Abnahmen und kritische Arbeiten wurden deshalb durch eine Fachwerkstatt beziehungsweise einen erfahrenen Spezialisten übernommen.

Nach rund vier Jahren war es dann endlich so weit: Die KTM kam durch die MFK. Ein Moment, der bei einem solchen Projekt fast mehr bedeutet als die erste Fahrt selbst. Nicht nur, weil das Motorrad wieder offiziell auf die Strasse durfte, sondern weil damit viele Stunden Arbeit, Zweifel, Rückschläge und kleine Erfolge bestätigt wurden.

Einen Sommer lang konnte ich die KTM dann geniessen. Sie war kein perfektes Motorrad im modernen Sinn, aber genau das machte ihren Charakter aus. Alt, direkt, laut genug, mechanisch präsent und mit diesem besonderen Gefühl, etwas wieder zum Leben erweckt zu haben.

Leider zeigten sich später Getriebeprobleme. An diesem Punkt musste ich realistisch bleiben. Noch einmal viel Zeit, Geld und Energie investieren — oder das Projekt weitergeben. Schweren Herzens entschied ich mich für den Verkauf.

Ganz unvernünftig war diese Entscheidung nicht. Mit einer Triumph Bobber Black und einer Yamaha Ténéré 700 Rally in der Garage hatte ich ohnehin ein echtes Luxusproblem. Die KTM durfte weiterziehen.

Geblieben ist die Erinnerung an ein intensives Restaurationsprojekt, an lange Nächte auf Teilesuche, an viel Lernarbeit und an den Moment, als eine alte KTM nach Jahren endlich wieder legal auf der Strasse war.